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Grundlagen Typografie

Mikrotypografie, Makrotypografie und Buchstabenarchitektur

Gabriel Widemann | 05.09.2022

Mit Schrift gestalten

Die Typografie, oder auch Typographie, beschäftigt sich mit der Gestaltung von Druckwerken oder digitalen Medien nach ästhetischen Gesichtspunkten (vgl. Duden)

Sie gliedert sich in Mikrotypografie und Makrotypografie (Hagemann, 2013):

Mikrotypografie
Zur Mikrotypografie werden jene Gestaltungsmittel zusammengefasst, die sich mit einzelnen Buchstabenverkettungen oder Schriftzeichen beschäftigen. Beispiele hierfür wären die Strichstärke, Schriftgröße, Schriftfamilie oder die Laufweite, dass ist der Abstand zwischen den Schriftzeichen.

Mikrotypografie

Makrotypografie
Gestaltungsmittel der Makrotypografie wirken auf die globale Struktur der Textanordnung. Hierzu zählen beispielsweise der Zeilenabstand, Einzüge am Zeilenanfang oder die Ausrichtung.

Makrotypographie-Beschreibung

Buchstabenarchitektur
Buchstaben werden mit Begriffen aus der Bleisatzzeit beschrieben. Der Buchstabe wird in Oberlänge, Mittellänge bzw. x-Höhe und Unterlänge eingeteilt. Über der Oberlänge findet sich noch die k-linie für hohe Kleinbuchstaben. Die entsprechenden Linien werden  h-Linie für die Oberlänge, Mittellinie bzw. x-Linie für die Mittellängenhöhe und p-Linie für die Unterlänge genannt.  Die Versalhöhe bzw. H-Linie ergibt sich aus der Höhe der Großbuchstaben (vgl. GDP Autorenkollektiv, 1998 zitiert nach Solbrig, 2008)

Architektur des Buchstabens

Minuskel und Majuskel
Minuskel ist der Fachbegriff für Kleinbuchstaben. Im deutschen findet sich zudem der Begriff Gemeine. Der Begriff leitet sich von einer gesamten Schriftart, der karolingischen Minuskel ab, die nur aus Kleinbuchstaben bestanden ist. Eine Mischung aus Klein- und Großbuchstaben wie heute üblich, gab es in der frühen Zeit noch nicht. Um neue Sätze, Absätze oder Eigennamen zu kennzeichnen, wurde eine andere Schriftart, die Capitalis, verwendet. Majuskel steht hingegen für Großbuchstaben, besser bekannt als Versalien. Sie sind aus den römischen Großbuchstabenschriften entstanden (vgl. Wäger, 2016).

Ligatur
Unter Ligatur wird das Kombinieren zweier Buchstaben oder Schriftzeichen zu einer Einheit verstanden. Beim Bleisatz führt das zur Zusammenführung auf einen gemeinsamen Schriftkegel. Je nachdem welche Buchstaben kombiniert werden, entstehen die Ligaturen durch eine Verlängerung der Oberlängen oder der Querbalken (vgl. Nehrlich, 2012; Solbrig, 2008).

Makrotypographie-Beschreibung

Buchstabenräume
Mit Vor- und Nachbreite kann der Abstand zum vorangehenden bzw. zum nachfolgenden Zeichen ermittelt werden. Die Dickte gibt die Gesamtbreite eines Buchstaben an. Bei Monospace-Schriften, wie sie in Code-Editoren zum Programmieren gerne verwendet werden, weisen alle Buchstaben die selbe Dickte auf. Im Gegensatz dazu stehen die Proportionalschriften, bei denen jedes Zeichenen eine individuelle Dickte besitzt. Zwischenräume innerhalb von Buchstaben werden Punzen genannt. Es gibt einseitig offene Punzen wie bei m oder u und geschlossene Punzen wie bei a oder g. Der Duktus beschreibt die Strichstärke eines Zeichens. Je nach Schreibwerkzeug und Haltung kann sie dicker oder dünner ausfallen GDP Autorenkollektiv Bd. 1, 1998; GDP Autorenkollektiv 1998 Bd. 1; Khazaeli, 1995; Lupton, 2004; zitiert nach Solbrig, 2008).

Literaturverzeichnis
Hagemann, Jörg (2013). Typographie und Textualität. Zeitschrift für Germanistische Linguistik. https://www.researchgate.net/publication/260205246_Typographie_und_Textualitat

GDP Autorenkollektiv (1998). Satztechnik und Typografie. Band 1. Typografische Gestaltung. GDPVerlag. Bern

Solbrig, Amelie (2008). Zweisprachige Mikrotypografie. Ein Regelwerk für den deutsch/englischen Schriftsatz. Leipzig. http://www.hs-augsburg.de/homes/brownfox/brownfox_dokumente/Typo_2/Zweisprachige_Mikrotypografie.pdf

Wäger, Markus (2016). Grafik und Gestaltung. Das umfassende Handbuch.Rheinwerk Design. Bonn.

Nehrlich, Thomas (2012). Von Lettern und Lücken. Zur Ordnung der Schrift im Bleisatz. Brill | Fink. Paderborn

GDP Autorenkollektiv (1998). Satztechnik und Typografie. Band 2. Satztechnik. GDPVerlag. Bern

Khazaeli, Cyrus Dominik (1995). Crashkurs Typo und Layout. Rowohlt Taschenbuch Verlag. Reinbeck

Lupton, Ellen (2004). Thinking with type: A Critical Guide for Designers, Writers, Editors, & Students. Princeton Architectural Press. New York